
Andreas Audretsch
Unser Abgeordneter im Deutschen Bundestag und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag
Andreas lebt seit 2006 in Neukölln – und engagiert sich seitdem für den Bezirk und ganz Berlin. Seit 2021 ist er Mitglied des Bundestages. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender kümmert er sich um die Themen Finanzen, Haushalt, Wirtschaft, Arbeit und Soziales.
Warum engagierst du dich politisch?
Die Aufgabe unserer Generation ist es, die Klimakatastrophe zu verhindern. Das geht nur, wenn alle in den großen Veränderungen, die vor uns liegen, eine gute Zukunftsperspektive sehen – dazu brauchen wir mehr Gerechtigkeit und Perspektiven statt Armut und Verdrängung. Ich möchte die Veränderung mitgestalten und dafür sorgen, dass alle mitgenommen werden.
Du trittst für Gerechtigkeit ein – Warum?
Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten – alle anderen sind auf einen gut funktionierenden Staat angewiesen. Nur so können wir Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen, Erzieher, Polizistinnen, Pflegekräfte und Bademeister angemessen bezahlen und in gute Bildungseinrichtungen, Kitas, Sportanlagen und Schwimmbäder investieren. Diese sozialen Infrastrukturen sind das Fundament für eine Gesellschaft, in der alle die Chance haben, sich frei zu entfalten.
Ein starkes Gemeinwesen erfordert ein gerechtes Steuersystem, in dem sich niemand seiner Verantwortung entziehen kann. Leider hat unser Steuersystem erhebliche Lücken, die vor allem von sehr reichen Menschen genutzt werden (können). Wir müssen diese Ungerechtigkeiten beheben und sicherstellen, dass alle nach ihren finanziellen Möglichkeiten fair zum Gemeinwohl beitragen.
Und: Wer arbeitet, muss davon leben können – sowohl im Berufsleben als auch später im Rentenalter. Mit Tarifverträgen ist beides möglich, deswegen muss Bezahlung nach Tarif zum Standard werden. Der Mindestlohn sollte 60% des mittleren Lohns betragen, damit Armut trotz Arbeit ausgeschlossen ist. Als Gewerkschaftsmitglied liegt mir dies besonders am Herzen, ebenso wie die gleiche Entlohnung von Frauen und Männern, gute Arbeitsbedingungen und familienfreundliche Arbeitszeiten.
In Neukölln fragen sich viele Menschen, wie lange sie noch in ihrer Wohnung leben können. Was antwortest du auf diese Frage?
Bezahlbares Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Wir fordern eine wirksame Verschärfung der Mietpreisbremse, Obergrenzen für Indexmietverträge und warmmietenneutrale Sanierungen. In angespannten Wohnungsmärkten wie in Berlin muss ein Mietenstopp möglich sein, Mietwucher muss geahndet werden.
Für mehr Angebot auf dem Wohnungsmarkt wollen wir statt Luxusbauten neue Wohnungen schaffen, die dauerhaft bezahlbar sind und deren Eigentümer nicht auf die höchste Rendite aus sind. Dafür brauchen wir mehr Neubauprojekte von landeseigenen oder kommunalen Genossenschaften und eine steuerliche Förderung von Eigentümern, die sich dem Gemeinwohl verpflichten („Neue Wohngemeinnützigkeit“). Und nicht zuletzt müssen dafür sorgen, dass diejenigen Vermieter, die sich nicht um ihre Wohnung kümmern, zukünftig keine Wohnungen mehr vermieten dürfen.
Dein Lieblingsort in Neukölln?
Das Tempelhofer Feld – weil es gerade für Menschen mit wenig Geld ein Ort der Freiheit ist. Deshalb muss es auch unbedingt erhalten bleiben!
