MOBILITÄT UNABHÄNGIGVOM GELDBEUTEL

Ein Auto ist teuer – für Besitzer und für alle anderen. Viele, die sich kein Auto leisten können, zahlen dennoch mit: durch Lärm, Abgase und schlechte Alternativen. In Berlin besitzen rund 50% der Haushalte kein Auto. Während in der Innenstadt der ÖPNV ausgebaut ist, sind Menschen in Rudow, Buckow oder Britz-Süd hier stärker abgehängt: lange Wege zur Haltestelle, seltene Verbindungen, eingeschränkte Mobilität am Abend.
Für die Menschen, die an Hauptstraßen leben, kommen durch den Autoverkehr weitere Belastungen hinzu: Lärm, Abgase, schwarzer Ruß in den Wohnungen. Gleichzeitig sind gerade deshalb dort die Mieten niedriger, weshalb Menschen mit geringem Einkommen und ohne Auto häufig an diesen belasteten Straßen wohnen. Investoren platzieren günstige Wohnungen gezielt dort – die ruhigen Viertel bleiben denjenigen vorbehalten, die sich ein eigenes Auto und höhere Mieten leisten können. So prallen an der Hauptstraße Arm und Reich direkt aufeinander.
Die anderen leben an der Straße, leiden unter deren Verkehr – und stehen beim Ausbau von Busspuren, Radwegen und Tram immer wieder hinten an, weil jeder Meter Straßenfläche umkämpft ist. Besonders deutlich zeigt sich das in Rudow: hohe Pkw-Dichte im Blumenviertel, gleichzeitig großer Widerstand gegen Tram- und Radwegprojekte. Ohne Alternativen bleibt alles beim Alten – zulasten derer ohne Auto.

 

Jan Stiermann, Co-Sprecher der AG Südneukölln. Foto: Dora Csala

Verkehrswende heißt: Mobilität unabhängig vom Geldbeutel.
Mobilität bedeutet Teilhabe. Deshalb muss der ÖPNV so gestaltet sein, dass er für alle bezahlbar und gut erreichbar ist – unabhängig vom Wohnort oder Einkommen. Gleichzeitig brauchen Menschen an Hauptstraßen spürbare Entlastung von Lärm, Abgasen und Schadstoffen. Das gelingt nur, wenn weniger Autos unterwegs sind und gute Alternativen zur Verfügung stehen: ein dichter und zuverlässiger ÖPNV, sichere Radwege und gute Bedingungen für zu Fuß Gehende. Eine echte Verkehrswende erfordert eine gerechtere Verteilung des Straßenraums. Bus- und Radspuren machen klimafreundliche Verkehrsmittel schneller und verlässlicher – und sorgen gleichzeitig dafür, dass Lärm und Abgase sinken.
Die Verkehrswende darf nicht nur die Innenstadt betrachten. Gerade in Buckow, Britz und Rudow müssen ÖPNV sowie Rad- und Fußwege verbessert werden – für saubere Luft, Ruhe und echte Mobilität für alle.

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