Handeln statt wegsehen
In Neukölln kommt es immer wieder zu antisemitischen und antimuslimischen Übergriffen. Neuköllner*innen berichten von Beleidigungen, verbalen Attacken und offenen Bedrohungen – sei es auf der Straße, in Schulen oder bei Behördengängen. Um dem etwas entgegenzusetzen, haben wir in der BVV Neukölln zwei Runde Tische ins Leben gerufen: Einer widmet sich antimuslimischem Rassismus, der andere soll jüdisches Leben im Bezirk stärken. Beide Formate bringen Betroffene, Verwaltung und politische Akteur*innen in geschützten Räumen zusammen, um über Diskriminierungserfahrungen zu sprechen, Betroffene zu stärken und konkrete Schritte für Veränderung zu entwickeln.
Denn Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus entstehen nicht nur in rechtsextremen Szenen, sondern kommen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen. Wenn wir sie kleinreden oder ignorieren, ändert sich nichts! Und auch bei der konkreten Umsetzung der geplanten Maßnahmen holpert es teilweise gewaltig. Kadir Şahin (Grünes Fraktionsmitglied und für uns im zuständigen Ausschuss für Bürgerdienste, Antidiskriminierung, Gleichstellung und Queerpolitik) erzählte mir: „Dass es die beiden Runden Tische gibt, ist ein Erfolg. Aber gerade im Fall des Runden Tischs gegen antimuslimischen Rassismus warten wir immer noch auf seine Umsetzung – und das trotz BVV-Beschluss vor eineinhalb Jahren.“ Wir werden also weiterhin Druck machen auf das Bezirksamt, damit hier endlich konkrete Schritte folgen! Für uns ist klar: Wer schweigt, gibt oftmals Hass und Hetze zu viel Raum. Aber wer handelt, baut demokratische Strukturen, in denen Teilhabe und Solidarität nicht nur Worte auf Papier sind, sondern im Alltag spürbar werden.

Der Weg dahin führt in meinen Augen auch über den Dialog und die gezielte Einbindung von jüdischen und palästinensischen Communities. Nur so können Strukturen entstehen, die gleichzeitig nachhaltig und konkret sind, und unser Zusammenleben im Bezirk wirklich stärken.
Darum lasst uns reden, zuhören und handeln — für ein Neukölln, in dem alle ohne Angst leben können.

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