DENK MAL… ROSL PERSSON! Zeit für neue Vorbilder im öffentlichen Raum

Im Rahmen einer Enthüllungsaktion zum Internationalen Frauen(kampf)tag am 7. März 2025 wurde ein großformatiges Porträt der Artistin und Turnerin Rosl Persson vor dem Jahn-Denkmal in der Hasenheide enthüllt; Foto: Constanze Altmann

Am nördlichen Eingang der Hasenheide steht bis heute das Denkmal für den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn. 1872 eingeweiht, gilt dieser Ort als erster öffentlicher Turnplatz in Deutschland. Doch Jahns Geschichte ist umstritten und darf nicht unkommentiert im öffentlichen Raum bestehen bleiben. Er war nicht nur Wegbereiter der Turnbewegung, sondern äußerte sich offen antisemitisch, frauen- und fremdenfeindlich. Sein Sportverständnis war nationalistisch, Frauen schloss er grundsätzlich von seinem Sport aus. Wir finden: Dieser Ort in der Hasenheide muss neu gedacht und gestaltet werden. Bereits vor drei Jahren startete das „Netzwerk Frauen in Neukölln“ die Initiative, das Jahn-Denkmal neu zu denken – der erste Schritt war damals eine Einwohner*innenfrage an die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Neukölln. Ein entsprechender Antrag wurde im Folgejahr von der Grünen Fraktion in der BVV unterstützt, um eine erinnerungspolitische Debatte mit der Zivilgesellschaft anzustoßen, auch über eine mögliche Entfernung des Denkmals.

Im Frühjahr 2025 haben wir als Grüne Fraktion Neukölln gemeinsam mit Bahar Haghanipour (MdA) und Susanna Kahlefeld (MdA) der Debatte mit einer feministischen Enthüllungsaktion neuen Schwung gegeben: gegen rückwärtsgewandte Denkmäler, für ein modernes Verständnis von Sport und Gemeinschaft. Statt Jahn stellen wir Rosl Persson (1908–2010) in den Mittelpunkt der Erinnerungskultur – eine Rixdorfer Turnerin, Pionierin des inklusiven Sports und ein Vorbild für gelebte Emanzipation.

Das Museum Neukölln lädt noch bis zum 28. September 2025 zur Ausstellung „DENK MAL JAHN“ ein. Besucher*innen erfahren dort nicht nur mehr über die Geschichte von Jahn, sondern können auch ihre eigene Meinung äußern und festhalten. Die Ausstellung und die begleitende Veranstaltungsreihe sind ein wichtiger erster Schritt für eine kritische Auseinandersetzung mit der Erinnerung an Jahn. Rosl Persson wird darin als emanzipatorisches Gegenbild vorgestellt. Öffentlicher Raum sollte kein Ort sein, um Menschen mit nationalistischen und ausgrenzenden Ideologien zu ehren. Es ist Zeit für neue Vorbilder – wie Rosl Persson.

Katheryn Herrmann Aguero, Verordnete in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln; Foto: Marlene Fulde

Katheryn Herrmann Aguero, Verordnete in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln
Dieser Artikel ist Teil des Neuköllner Stachels Nr. 199, Ausgabe II/2025

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