Hüpferling im Hitzestress. Erste Ergebnisse aus dem Schwengelpumpenprojekt der AG Klima & Umwelt zeigen: das Grundwasser unter Neukölln wird zu warm

Gemeinsam mit dem BUND testen Mitglieder der AG Klima & Umwelt die Schwengelpumpe am Richardplatz und nehmen eine Wasserprobe – zum Schutz des Neuköllner Grundwassers; Foto: Stefanie Stier

Sie stehen am Straßenrand, sind grün, manchmal schlicht, manchmal historisch und manche funktionieren nicht: die Schwengelpumpen. Leute nutzen sie zum Gießen der Straßenbäume oder Kinder planschen. Diese Brunnen haben einen wichtigen Zweck: Sie dienen der Notversorgung, wenn wir nicht auf das Frischwasserwassernetz zurückgreifen können – etwa bei einem längeren Stromausfall. Dann bleiben die Schwengelpumpen, die das Grundwasser direkt vor Ort aus dem Boden ziehen, als Notwasserversorgung für Millionen Berliner*innen. Zum Trinken sollte man das Wasser allerdings abkochen oder Reinigungstabletten zusetzen. 

Die AG Klima & Umwelt hat sich mit den Brunnen befasst und ist dabei auf das bürgerwissenschaftliche Grundwasser-Projekt CHARMANT gestoßen, in Berlin betreut vom BUND Berlin e.V. Zusammen mit Bürger*innen werden etliche der Brunnen beprobt und die Grundwasserfauna untersucht. Die AG hat eine Grundwasserpatenschaft für die Schwengelpumpe auf dem Richardplatz übernommen. Wir suchen nach dem Lebendigem im Wasser und sind besonders erfreut, wenn später unter dem Mikroskop zum Beispiel ein Hüpferling – ein kleiner Ruderfußkrebs – gefunden wird. Er gilt als Zeichen für gute Wasserqualität. Als Zwischenfazit haben wir festgestellt: das Grundwasser ist zu warm. Klimawandel und Abwärme aus den Leitungen und Gebäuden lassen selbst in 30 Meter Tiefe die Temperaturen steigen. Das setzt die Mikroorganismen im Wasser unter Stress und sie können ihre Aufgabe, u. a. Fließwege offen zu halten und Schadstoffe abzubauen, nicht mehr erledigen.

Wir haben eine interaktive Karte mit allen 217 Neuköllner Schwengelpumpen erstellt, in die man eintragen kann, welche gehen und welche nicht. Bei manchen muss das Pumpwerk repariert, andere sogar neu gebohrt werden. Die Bezirke stemmen diese Aufgabe nicht, darum sind seit diesem Jahr die Berliner Wasserbetriebe zuständig, aber die berlinweite Sanierung wird dauern. Was wir mit unserer Karte vor allem erreichen wollen, ist mehr Aufmerksamkeit für unsere Wasserinfrastruktur in allen Facetten und Schutz für lebendige Böden und das Grundwasser.

Die AG Klima & Umwelt stellt ihre digitale Karte vor: Schwengelpumpen in Neukölln auf einen Blick; Foto: Stefanie Stier

Eure AG Klima & Umwelt

Weitere Infos findet ihr hier.

Dieser Artikel ist Teil des Neuköllner Stachels Nr. 199, Ausgabe II/2025

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