CDU und SPD bleiben Antworten schuldig
Der Berliner Senat verspricht, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden. Doch die Realität in unserer Stadt bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung: Die Zahlen steigen Jahr für Jahr. 2024 gab es knapp 56.000 wohnungslose Menschen in Berlin, mindestens 6.000 von ihnen lebten auf der Straße. Familien, Alleinerziehende und Frauen gehören zu den am stärksten wachsenden Risikogruppen. Daher sind auch Schutzräume wie Eva’s Obdach in Neukölln besonders wichtige Angebote. Besonders dramatisch ist die Situation auch für junge Menschen: Anfang dieses Jahres lebten über 15.000 Kinder und Jugendliche in Berliner Unterkünften für wohnungslose Menschen und damit mehr als doppelt so viele wie noch zwei Jahre zuvor.

Dort fehlt es oft an Rückzugsräumen und sozialer Betreuung. Diese Bedingungen wiederum prägen Bildungswege, psychische Gesundheit und Zukunftschancen. Das ist eine stille, aber systematische Kindeswohlkrise inmitten unserer Stadt. Die Lage droht sich zu verschlimmern, denn Berlin verliert täglich bezahlbaren Wohnraum und Sozialwohnungen. Der Senat selbst geht davon aus, dass in den kommenden Jahren zehntausende weitere Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen sein werden. Diese Prognose steht im Widerspruch zum Ziel, die Obdachlosigkeit in Berlin bis 2030 zu überwinden. Das ist das Ergebnis politischer Unterlassung der schwarz-roten Koalition, die bei bezahlbarem Wohnen auf Sicht fährt, statt strukturell gegenzusteuern.

Wir Grüne fordern einen radikalen Politikwechsel:
Wir setzen uns für einen massiven Ausbau von Housing First-Programmen, verbindliche Qualitätsstandards für Unterkünfte, mehr sozialpädagogische Betreuung und echte Prävention ein, die Mietverhältnisse schützt, bevor Wohnungslosigkeit entsteht. Berlin braucht zudem eine Sozialbau-Offensive, mehr gemeinwohlorientierten Wohnraum und klare Belegungsquoten für Familien.
Zudem möchten wir ganzjährig 24/7-Angebote der Kälte- und Hitzehilfe ausbauen sowie niedrigschwellige Beratungsstellen, psychosoziale Unterstützung in den Kiezen und Gesundheitsversor-gung auch ohne Versicherung anbieten. So wird allen geholfen, die in Not sind. Denn am Ende geht es nicht nur um vier Wände. Es geht um Schutz, um Teilhabe, um das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Wir kämpfen für ein Berlin, das Zuhause für alle ist und allen ein Zuhause bietet.

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