BAFÖG UND ARMUT

BAföG unter Druck: Studieren wird teurer, die Förderung hält nicht Schritt. Grafik: Canva

Berlin verzeichnet seit Jahren sinkende BAföG-Zahlen, so wenige Studierende wie heute haben die Studienförderung seit Jahrzehnten nicht mehr bezogen. Aktuell beziehen nur etwa 11 % der Berliner Studierenden BAföG. Das liegt jedoch nicht daran, dass weniger junge Menschen Unterstützung brauchen. Im Gegenteil: Gerade in einem Bezirk wie Neukölln, in dem viele Studierende mit knappen finanziellen Mitteln leben, wird die wachsende Kluft zwischen Wohlhabenden und denen, die es nicht sind, besonders sichtbar. Viele verzichten auf BAföG, weil das Verfahren abschreckt. Komplizierte Formulare, lange Bearbeitungszeiten, schwer erreichbare Ämter. 

Nicht selten erleben Studierende ein Behördenchaos, das ausgerechnet in einer ohnehin belastenden Lebensphase zusätzliche Unsicherheit schafft. Dass der Alltag in Berlin teuer ist, verschärft die Lage weiter. Die Wohnkosten steigen seit Jahren und ein WG-Zimmer in Berlin ist mit einem Durchschnittspreis von ca. 650 Euro kaum noch bezahlbar. 

Asiye Bilir, Mitglied der Grünen Jugend Neukölln. Foto: Dora Csala

So verschwindet ein erheblicher Teil des verfügbaren Geldes allein in der Miete. Selbst wer das Glück hat, gefördert zu werden, merkt schnell, dass der Bafög Betrag mit der Realität der Großstadt längst nicht mehr mithalten kann. Die grüne Bundestagsfraktion hat daher eine deutliche Erhöhung von 475 Euro auf 563 Euro und eine umfassende Reform des Bafög vorgeschlagen: Eine automatische Anpassung an steigende Lebenshaltungskosten, eine Abbildung der realen Wohnkosten, weniger Bürokratie
und ein System, das niemanden zurücklässt – weder beim Fachrichtungswechsel noch im Teilzeitstudium. Aus grüner Perspektive ist klar: wir müssen uns einsetzen. Dafür, dass das BAföG grundlegend reformiert wird. Ein System, das junge Menschen mit Bürokratie überlastet und gleichzeitig zu wenig zum Leben bietet, erfüllt seinen Zweck nicht mehr. 

Es braucht einfachere Verfahren, einen Mietendeckel, der vor weiterer Verdrängung schützt, und eine Förderung, die sich an echten Lebenshaltungskosten orientiert. Nur so kann das BAföG wieder zu dem werden, wofür es gedacht ist. Ein Werkzeug für Bildungsgerechtigkeit, das auch allen Studierenden in Neukölln eine faire Chance ermöglicht.

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